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Im Browser lesen  | 11.02.2026
Hallo aus Hannover,
Seit dem Aufkommen von Programmen wie ChatGPT ist künstliche Intelligenz ein allgegenwärtiges Thema. In der Fotografie ist sie jedoch kein Neuling. Nahezu unbemerkt hat sie sich in moderne Kameras integriert und übernimmt zunehmend Aufgaben, die früher ausschließlich dem Fotografen oblagen.  
 
Die größten Fortschritte der letzten Jahre manifestieren sich dabei im Autofokussystem. Viele Fotografen erinnern sich noch an Zeiten, in denen sie die Belichtung manuell messen oder mit einer Weißabgleichskarte den korrekten Farbton ermitteln mussten. Bei einem Porträt wurde der passende Fokussensor präzise ausgewählt, um ihn exakt auf das Auge des Models zu legen. Diese manuellen Arbeitsschritte gehören für viele längst der Vergangenheit an. 
 
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Thomas Hoffmann 
Redaktion c't Fotografie 
tho@heise.de
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📸 Wie künstliche Intelligenz den Autofokus revolutioniert

Bild: Tilo Gockel  
Modell: Lelo
Moderne Kameras nutzen KI, um bildwichtige Elemente selbstständig zu erkennen und zu verfolgen. Anstatt der Kamera mitzuteilen, worauf sie scharfstellen soll, analysiert eine interne Software das Bild und identifiziert Motive wie Gesichter, Augen, Tiere oder Fahrzeuge mit beachtlicher Treffsicherheit. Diese Entwicklung verändert die Arbeitsweise fundamental: Statt sich auf die technische Bedienung des Fokussystems zu konzentrieren, bleibt mehr kreativer Freiraum für die Bildgestaltung und das Erfassen des perfekten Moments. 
 

Der technologische Sprung: Von der Spiegelreflex zur spiegellosen Kamera 

Der entscheidende Wandel kam mit dem Aufstieg der spiegellosen Systemkameras. Noch vor einem Jahrzehnt dominierten Spiegelreflexkameras (DSLRs) den Profimarkt. Ihr optischer Aufbau wies jedoch eine systembedingte Einschränkung auf: Der Spiegel, der das Licht in den Sucher lenkte, blockierte den Weg zum Bildsensor. Deswegen war ein separater, im Kameraboden untergebrachter Autofokussensor notwendig. Dieses System erforderte eine perfekte Justierung, da es andernfalls zu Fokusfehlern kommen konnte, bei denen die Schärfeebene vor oder hinter dem eigentlichen Motiv lag (Front- oder Backfokus). 
 
Spiegellose Kameras und der Live-View-Modus revolutionierten diese Arbeitsweise. Plötzlich konnte der Bildsensor selbst schon vor der Aufnahme zur Bildanalyse genutzt werden. Den Herstellern standen nun das Live-Bild und eine stetig wachsende Rechenleistung zur Verfügung. Ein erster Schritt war der vergleichsweise simple Kontrast-Autofokus, bei dem von „Intelligenz“ jedoch noch keine Rede war. 
 
Der erste große Sprung gelang Sony Ende 2013 mit der Alpha 7 und ihrem Augen-Autofokus. Dieses System erleichterte das Scharfstellen bei Porträts erheblich, besonders bei Offenblende. Heutige Systeme gehen weit darüber hinaus und erkennen Augen sogar im Profil oder verfolgen den Hinterkopf einer Person. Mit der Nachfolgerin, der Alpha 7 II, kam die Möglichkeit hinzu, bestimmte Gesichter zu registrieren, um sie in einer Menschenmenge wiederzufinden. Spätestens hier bürgerte sich der Begriff „Künstliche Intelligenz“ ein, obwohl die Technik zunächst auf cleveren Algorithmen zur Mustererkennung basierte und nicht auf neuronalen Netzen. 
 

Das Gehirn im Autofokus: Wie Kameras sehen lernen 

Was mit dem Autofokus auf menschliche Augen begann, entwickelte sich schnell zu einem technologischen Wettrennen. Hersteller werben heute mit KI, die fast alles identifizieren soll, was sich vor der Linse bewegt. Für diese komplexen Aufgaben setzen sie auf künstliche neuronale Netze und das sogenannte Deep Learning. Dabei handelt es sich um Computersysteme, deren Funktionsweise dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist. 
 
Ein solches System besteht aus künstlichen Neuronen, die in Schichten angeordnet sind. Jede Schicht verarbeitet die Bilddaten und gibt das Ergebnis an die nächste weiter, bis die Ausgabeschicht das erkannte Objekt – etwa ein Auge oder einen Scheinwerfer – identifiziert. Damit das Netz funktioniert, muss es mit riesigen, vorab markierten Datensätzen trainiert werden. Während dieses Trainings passt das System seine internen Parameter so lange an, bis die Fehlerquote bei der Erkennung minimiert ist. Diese Technik ist keine Magie, sondern ein hochkomplexes Verfahren zur Mustererkennung. Ihre Leistungsfähigkeit ist direkt von der Qualität und dem Umfang der Trainingsdaten abhängig. Dies erklärt, warum manche Kameras Vögel, aber keine Insekten erkennen: Es wurde ihnen schlicht nicht beigebracht. 
 
Heute bieten alle großen Marken Kameras mit diesen Fähigkeiten an. Eine Nikon Z8 erkennt Menschen, Tiere und Fahrzeuge und wählt im Automatikmodus selbst das passende Motiv. Die Fujifilm X-T5 erweitert das Spektrum um Vögel, Insekten und Drohnen, während Sonys Alpha 7R V eine Person sogar von hinten am Körperbau erkennen kann. Auch Smartphones wie das Apple iPhone oder Google Pixel nutzen längst ähnliche KI-Prinzipien zur Gesichtserkennung oder zur Simulation eines unscharfen Hintergrunds. 
 

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Die KI im Praxistest 

In der Praxis zeigt sich, dass die grundlegende Gesichts- und Augenerkennung bei allen etablierten Herstellern mittlerweile exzellent funktioniert und selbst Augen hinter einer Brille oder Gesichter im Profil kein Problem mehr darstellen. Erkennt eine Kamera bei einer dunklen Sonnenbrille die Augen nicht, fokussiert sie stattdessen zuverlässig auf das Gesicht, was für eine scharfe Aufnahme meist ausreicht. 
 
Dennoch hat die Technik ihre Grenzen. Anspruchsvoller ist die Erkennung spezifischer, zuvor eingespeicherter Gesichter in einer Menschenmenge; diese Funktion arbeitet oft weniger verlässlich. Zudem haben die Systeme Schwierigkeiten mit Motiven am äußersten Bildrand oder wenn diese kurzzeitig von anderen Objekten verdeckt werden. Konkurrierende Motive im Bild können ebenfalls zu Unsicherheiten führen. Bei Kameras wie der Fujifilm X-T5 muss der Fotograf die Motivgruppe (z. B. „Mensch“ oder „Vogel“) manuell vorwählen. Diese bewusste Einschränkung macht den Autofokus treffsicherer, da sich der Algorithmus nur auf die Merkmale einer einzigen Kategorie konzentrieren muss. 
 

Fazit: Werkzeug oder Kreativ-Autopilot? 

Die Kamera wird durch künstliche Intelligenz zu einem mitdenkenden Werkzeug, das dem Fotografen Routineaufgaben abnimmt. Dies ist besonders in dynamischen Situationen wie der Sport- oder Tierfotografie ein unschätzbarer Vorteil. Ein gelungenes Foto lebt jedoch nicht allein vom korrekten Fokus, sondern von Perspektive, Licht und dem entscheidenden Moment. 
 
Die Frage, warum man überhaupt noch fotografiert, anstatt die KI die Arbeit machen zu lassen, ist berechtigt. In der Dokumentations- oder Produktfotografie können diese automatisierten Methoden eine enorme Effizienzsteigerung bedeuten. Fotografen, die jedoch Emotionen wecken und Geschichten erzählen wollen, treffen bewusste kreative Entscheidungen. Diese kreative und emotionale Ebene der Fotografie bleibt der künstlichen Intelligenz – zumindest vorerst – verschlossen.
Artikel bei heise online

KI, der Geist in Ihrer Kamera

Bis vor Kurzem setzte man selbst den Fokus aufs Motiv, heute erkennt Künstliche Intelligenz, was bildwichtig ist. Dabei ist sie erstaunlich treffsicher. Wir erklären, wie das funktioniert und wo aktuell die Grenzen liegen. 
 
Bild: Tilo Gockel
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⚡️ Newsflash – der Überblick

Die besten Angebote der Woche 

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Nikon und AFP: Roboter für die Sportfotografie 

Nikon arbeitet Gerüchten zufolge mit der Agence France Presse an einem neuen Robotik-Projekt. Die Technologie soll bei Großveranstaltungen wie Olympia und der Fußball-Weltmeisterschaft zum Einsatz kommen. Beide Unternehmen kooperieren schon lange, um Fotografen mit ferngesteuerten Kamerasystemen auszustatten und so einzigartige Perspektiven zu ermöglichen. 

 
Sony-Technik beim Super Bowl 

Beim Super Bowl LX sorgt Sony als offizieller NFL-Partner für eine Technik-Offensive. Mehr als 175 Kamerasysteme fangen jede Szene ein. Erstmals ersetzt die Hawk-Eye-Technologie die traditionelle Messkette für eine präzise virtuelle Linienmessung. Zudem analysiert ein neues System die Bewegungen der Spieler und des Balls in 3D, während spezielle Headsets die Kommunikation der Trainer verbessern. 
 
Blick aus dem Inneren einer Koralle 
Der australische Fotograf Ross Gudgeon gewinnt den Wettbewerb „Close-up Photographer of the Year“. Sein Siegerbild zeigt eine Blumenkohl-Weichkoralle von innen. Mit einem speziellen Sondenobjektiv fotografierte er aus dem Organismus heraus und schuf so eine außergewöhnliche Perspektive. Der Wettbewerb für Makro- und Nahaufnahmen zog über 12.000 Einsendungen an. 
 
Publikum entscheidet über bestes Tierfoto 
Der Wettbewerb „Wildlife Photographer of the Year“ bittet um die Stimme des Publikums. Aus über 60.000 Einreichungen hat eine Jury 24 Finalisten für den Publikumspreis ausgewählt. Die Bilder zeigen nicht nur die Schönheit der Natur, sondern beleuchten auch wichtige Umweltthemen wie Wilderei und Artenschutz. Die Abstimmung ist nun online geöffnet. 
 
Leica-Stil für das iPhone hat seinen Preis 
Leica stellt eine neue Schutzhülle für das iPhone 17 Pro und Pro Max vor. Das „Lux Case“ aus schwarzem Leder und Aluminiumknöpfen richtet sich an designbewusste Smartphone-Fotografen. Es ergänzt den bereits erhältlichen „Lux Grip“ und die kostenpflichtige „Lux“-App des Herstellers. Die Hülle allein kostet 95 Euro und ist Teil von Leicas wachsendem Mobile-Ökosystem.
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