KI-Agenten sicher betreiben / Container auf macOS / Skalierbare Netze mit EVPN und VXLAN / GPUs partitionieren mit Nvidia MIG / OPNsense, die freie Unternehmensfirewall / OpenClaw selbst gebaut
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KI-Agenten sicher betreiben +++ Container auf macOS +++ Skalierbare Netze mit EVPN und VXLAN +++ GPUs partitionieren mit Nvidia MIG +++ OPNsense, die freie Unternehmensfirewall +++ OpenClaw selbst gebaut 
Titelseite iX 10/2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
 
der Hack von OpenAIs KI-Agenten bei Hugging Face hat gewaltig Staub aufgewirbelt. Nun ist nüchterne Analyse der Vorgänge gefragt: Welche Herausforderungen für die Sicherheit lassen sich ableiten? Frank Ully, einer unser Titelautoren, erklärt im Interview, welche Lehren man ziehen kann und was auf die IT zukommt. Einen Überblick aller Themen des neuen Hefts finden Sie im Inhaltsverzeichnis der iX 10/2026.
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Hackende KI-Agenten: Wie ein Elefant auf Speed
 
Frank Ully ist Head of Cyber Operations and Research bei Corporate Trust in München. Er beschäftigt sich mit aktuellen Themen der IT-Sicherheit, derzeit mit sicherem Einsatz von KI und Nutzen von KI für Security.
 
Axel: Ein Schwarm von 700 KI-Agenten bricht aus einer Sandbox von OpenAI aus und attackiert Dienste unbeteiligter Dritter. Wie kommt ein Agentenschwarm dazu, sich für so ein Verhalten zu entscheiden?
 
Frank: Die Sprachmodelle trainieren unter anderem am ExploitGym-Benchmark, der misst, wie gut ein Modell aus einem Bug lauffähigen Schadcode macht. Einige der fast 900 Aufgaben halten die Testentwickler für unlösbar. Gerade wer unmögliche Aufgaben stellt, belohnt jeden Weg, der an ihnen vorbeiführt. Dazu kommt die Umgebung: Cyber-Verweigerungen sind abgesenkt und Klassifikatoren abgeschaltet. Ein Agent scheitert an einer Aufgabe und bemerkt dabei eine Schreibberechtigung im Paketproxy. Den hackt der Schwarm später vollständig, am Ende auch die Forschungsumgebung bei OpenAI.
 
Das Motiv steht erst in den Nachberichten von Ende August, bei OpenAI selbst und bei den unabhängigen Stellen METR und Redwood. Schon Stunden nach dem Einrichten ihres schwarzen Bretts rechnen die Agenten den Prüfwert zurück, mit dem der Benchmark seine Lösungen signiert. Damit können sie jede Aufgabe beantworten. Sie vermuten aber fälschlicherweise, ein Bewerter liest die Protokolle mit und prüft, ob die Lösung über die vorgesehene Lücke gefunden wurde. Also suchen sie eine legitim aussehende Herkunft für den Lösungsnachweis. Der Einbruch bei Hugging Face entsteht aus dieser Suche.
 
Axel: Mit welchen Stellschrauben hätte OpenAI Ausbruch und Angriffe verhindern können?
 
Frank: Die naheliegende Antwort, eine härtere Sandbox, ist falsch. Die Agenten finden darin Fehlkonfigurationen und sogar mehrere Zero Days. Eine Stellschraube ist das Harness: der Code, der das Modell aufruft und ihm Werkzeuge reicht. Die Cloud Security Alliance vergleicht das so: Die Sandbox arbeitet wie ein Network Detection and Response System (NDR), das den Verkehr sieht, die Instrumentierung des Agenten wie ein Endpoint Detection and Response System (EDR), das Betriebssystemfunktionen beobachtet.
 
Danach kommt klassische Netztrennung. Der Paketproxy ist die einzige Netzverbindung der Sandbox, und das Labor missbraucht ihn als Sicherheitsgrenze zum Internet. In dieser Umgebung hacken Agenten mit heruntergesetzten Sicherungen herum. Zwischen diese und das Firmennetz plus offenes Internet gehört echte Segmentierung. Ein vollständiger Air Gap ohne jede Netzverbindung funktioniert in der Praxis aber wohl nicht, dafür brauchen solche Umgebungen oft zu viele Daten aus dem Internet.
 
Eine weitere Stellschraube ist technisch trivial:den Lauf abbrechen. Denn Ende Mai bemerkt ein OpenAI-Team die Aktivität auf dem schwarzen Brett und unerlaubte Internetzugriffe, nur dringt der Befund nicht bis zu den Verantwortlichen durch. Gerade wenn ein Abbruch richtig teuer ist, muss vorher feststehen, wer ihn wann und weshalb anordnen darf, sonst übernimmt niemand die Verantwortung.
 
Wie die Reaktion aussehen sollte, führt wenige Wochen später das britische AI Security Institute vor. Auch dort gehen Agenten auf Dritte los, einer versucht mit gefälschten Identitäten, Schadcode in ein Open-Source-Projekt zu bringen. Die Überwachung meldet Daten, die ein Testsystem über das Tor-Netz verlassen. Das Institut erklärt einen Sicherheitsvorfall, stoppt alle zugehörigen Evaluationen, sperrt den internen Zugang zu den stärksten Modellen und isoliert die Maschinen – alles in einer Stunde. Verhindern kann es das so wenig wie OpenAI. Aber es hat geübt, wie man es bemerkt und einhegt. Die Five-Eyes-Behörden geben dazu Hausaufgaben für den Agentenbetrieb, unter anderem: eigene Identität pro Agent statt geteilter Token, Rechteprüfung bei jedem Zugriff, kurzlebige Zugangsdaten für heikle Aktionen, Obergrenzen für Laufzeit und Werkzeugaufrufe.
 
 
OpenAI-Agenten greifen Hugging Face an
Frank Ully (links) im Gespräch mit iX-Redakteur Axel Kannenberg
Frank Ully (links) im Gespräch mit iX-Redakteur Axel Kannenberg 
Axel: Mal aus Verteidigersicht gesehen: Was sind hervorstechende Merkmale eines KI-Angreifers im Vergleich zum menschlichen Hacker?
 
Frank: Am auffälligsten ist, wie schnell er ist. Bei Hugging Face laufen Informationssammlung, Rechteausweitung und Seitwärtsbewegung am 11. Juli parallel, vom einzelnen Container bis zum Admin über mehrere Cluster vergehen weniger als dreizehn Stunden. Vorfallbearbeiter von Unit 42 beschreiben einen anderen Einbruch, bei dem ein vom Menschen angeleiteter KI-Angreifer über fünfzig Angriffstechniken in unter zehn Stunden verkettet. Auch den 80-seitigen Bericht über die ausgenutzten Schwachstellen in diesem „unbeauftragten Pentest“ lässt sich der Hacker vom Agenten schreiben.
 
Die Verteidiger bei Hugging Face haben mehrere Merkmale notiert, an denen sie den maschinellen Charakter erkannt haben. Die praktischsten sind neben der Geschwindigkeit: KI-Angreifer wiederholen Aktionen, die schon funktioniert haben. Auf einen technisch starken Zug folgt oft ein falscher oder sinnloser Befehl. Und sie schlampen bei der eigenen operativen Sicherheit: Die Agenten lassen unter anderem den Schlüssel liegen, mit dem sie ihre Daten verschlüsselt haben. KI-Systeme verfolgen viele Angriffswege parallel, und der Code ihrer Schadsoftware ist erkennbar maschinell erzeugt. Für künftige Angriffe müssen diese Merkmale allerdings nicht mehr gelten, sobald Modelle und ihre Instrumentierung besser werden oder ein erfahrener Mensch am Steuer sitzt.
 
Immerhin hinterlassen Agenten Spuren, die es vorher oft nicht gab: Sitzungsprotokolle, Aufgabenlisten, ganze Arbeitsverzeichnisse. Fast alle belastbaren Fälle aus den öffentlichen Berichten über KI-Angreifer verdanken wir solchen Schnitzern. Insgesamt rumpeln KI-Systeme durch die angegriffene Umgebung wie ein Elefant durch den Porzellanladen – allerdings ein Elefant auf Speed. Hat man ein funktionierendes Monitoring, wird es Alarme hageln. Verlassen sollten Verteidiger sich darauf nicht. Eine Antwort heißt Täuschung, neudeutsch Deception. Ein Honeypot braucht weder Schwellenwerte noch die Summe mehrerer Ereignisse und verursacht prinzipiell weniger Fehlalarme. OpenAI empfiehlt Honigtoken ausdrücklich, Hugging Face vermerkt selbstkritisch ihr Fehlen.
 
Axel: Ein Quasi-Laborunfall eines Anbieters ist eine Sache. Welche Fälle sind schon bekannt, in denen wirklich Cyberkriminelle KI-Agenten zum Hacken losgeschickt haben?
 
Frank: Mehr als man denkt. Ich pflege eine Chronologie öffentlich gewordener Vorfälle mit KI-Beteiligung auf meiner Website. Mitte September 2026 zählt sie über hundert Einträge. Schon im Februar 2023 fragt ein Angreifer mitten im Einbruch ChatGPT, um sich im Azure-Portal zurechtzufinden. Im August 2025 erpresst ein einzelner Täter mindestens 17 Organisationen, wobei Claude Code Aufklärung, Zugangsdatenklau und die Berechnung der Lösegeldhöhe übernimmt. Im November 2025 legt Anthropic eine chinesische Spionagekampagne gegen Dutzende Ziele offen, bei der KI-Systeme fast die gesamte taktische Arbeit erledigt haben sollen.
 
2026 ist das so gesehen schon Alltag. Im Juli finden Incident Responder auf einem Angreifersystem die Berichte, die Claude über den eigenen Angriffspfad geschrieben hatte, samt gefälschtem Pentest-Auftragsschreiben. Im August lässt ein russischsprachiger Krimineller den Cursor-Agent die komplette Arbeit nach dem Erstzugang machen, nicht nur vorschlagen. Im September findet ein Forscher auf einem offenen Windows-Server die Erpressungsfabrik eines Ransomware-Affiliates, drei Terabyte von über 30 Firmen. Der Mensch liefert nur Adresse und Zugangsdaten aus Infostealer-Protokollen, alles danach macht der Agent.
 
Angreifer nehmen seit jeher den Weg des geringsten Widerstands. Solange ein 08/15-Playbook oder ein Ransomware-as-a-Service-Abo reicht, baut sich niemand einen Agentenschwarm. Sobald KI Arbeitszeit spart oder Ziele erschließt, die vorher zu mühsam oder außer Reichweite waren, setzen gerade Kriminelle sie ein. Und das sehen wir gerade.
 
Axel: Was sollten IT-Verantwortliche angesichts dieser neuen Bedrohung tun: Mehr in klassische Sicherheitsmaßnahmen stecken? Sich lieber von KI schützen lassen?
 
Frank: Beides, und in der genannten Reihenfolge. Hugging Face sagt es selbst: Die einzelnen Schwachstellen waren vertraut, ein fähiger menschlicher Angreifer hätte dieselben Fehler gefunden. Der Hack lief über einen Beispiel-API-Schlüssel aus einer Projektdokumentation, Zugangsdaten in der Prozessumgebung, ein statisches Datenbankpasswort, überprivilegierte Container und eine einzige Admin-Identität, geteilt über mehrere Kubernetes-Cluster.
 
Solche Lücken schließen Admins schon mit Bordmitteln, und sie sollten prüfen, ob das, was sie einsetzen, nicht grob fehlkonfiguriert ist: das eigene Active Directory etwa, Microsoft 365, Entra ID und sonstige Clouds oder eben ein Kubernetes-Cluster. Dabei helfen kostenlose Tools wie PingCastle, ScubaGear oder Prowler.
 
Bei der Detektion hat sich nicht das Drehbuch geändert, sondern das Tempo, mit dem Sicherheitsverantwortliche und Admins es abarbeiten müssen. Und eine Reaktion auf einen Sicherheitsvorfall sollten sie auch üben, bevor es ernst wird. Aber wer als Verteidiger künftig ganz auf KI-Unterstützung verzichtet, wo sie möglich und sinnvoll ist, beispielsweise bei Quelltextanalyse, läuft dem Tempo der Gegenseite auf Dauer hinterher – so ungern man das auch hört. Wer sich allein davon die Rettung erhofft, liegt aber falsch. Die Liste der eigentlich grundlegenden Dinge, die jetzt dringend passieren müssen, ist schon seit Jahrzehnten bekannt.
 
 
Wie Sie MCP und A2A gegen vergiftete Tools absichern
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Im Heft geschmökert: Empfehlungen der iX-Redaktion
Ute Roos, Redakteurin iX
Das Management von Identitäten und Zugriffen ist mehr denn je die Grundlage für moderne Sicherheit. Mit zunehmendem Einsatz von KI-Agenten muss man das aber noch einmal einer strengen Prüfung unterziehen und neu organisieren. Denn Agenten sind nicht einfach nur Non-Human Identities, sondern zählen wie Menschen zu den autonomen Identitäten, weil beide eigenständig handeln und Entscheidungen innerhalb eines Spielraums treffen. Wer das nicht berücksichtigt, kontrolliert womöglich das falsche Risiko.
 
Ute Roos, Redakteurin iX
 
Warum autonome Identitäten neue Regeln brauchen
Nicole Bechtel, Redakteurin iX
Das Ausführen und Trainieren von KI-Modellen ist nur mit Hardwarebeschleunigern praktikabel, was bislang mit Java nicht so einfach möglich ist. Die JVM wandelt Bytecode zur Laufzeit in Maschinencode für die ausführende CPU um und lässt die GPU außen vor. Das Heterogeneous Accelerator Toolkit (HAT) vom Projekt Babylon spannt auch die verfügbaren Beschleuniger ein und transformiert Java-Code zur Laufzeit in Code für Beschleuniger. Es ähnelt in der Funktionsweise TornadoVM, das jedoch anders vorgeht. Praxisbeispiele zeigen, wie man HAT einsetzt, und wie es sich von TornadoVM unterscheidet.
 
Nicole Bechtel, Redakteurin iX
 
Bringen Sie Java auf Trab: Toolkit für rechenintensive Apps
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Workshop-Tipp: Cybersecurity für KMU – mit dem NIST CSF 2.0 zur Sicherheitsstrategie
 
Kleine und mittlere Unternehmen arbeiten mit knappen Budgets und ohne eigene Security-Teams. Das macht sie zu einem attraktiven Ziel für Angreifer. Punktuelle Maßnahmen schließen zwar einzelne Lücken, doch häufig fehlt eine umfassende Strategie mit klaren Prioritäten, die sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen lässt.
 
Unser Workshop zeigt, wie sich mit dem NIST Cybersecurity Framework 2.0 wirksame Sicherheitsmaßnahmen planen, priorisieren und zu einem Gesamtkonzept zusammenführen lassen. Dabei werden auch die alltäglichen Herausforderungen und unterschiedlichen IT-Umgebungen von KMU berücksichtigt.
 
Im Workshop steht die Praxis stets im Vordergrund: Die Teilnehmer bewerten anhand des Frameworks ihren derzeitigen Sicherheitsstatus und identifizieren Risiken innerhalb des Unternehmens und der Lieferkette. Daraus ermitteln sie ihren Schutzbedarf und leiten Sicherheitsmaßnahmen ab. Sie üben, wie sie Sicherheitsvorfälle rechtzeitig erkennen und sicher bewältigen. Zudem erfahren sie, wie sie auf dieser Grundlage ihren Schutz kontinuierlich verbessern können. Am Ende des Workshops verfügen die Teilnehmer über einen konkreten Fahrplan, mit dem sie die IT-Sicherheit in ihrem Unternehmen schrittweise ausbauen können.
 
 
Cybersecurity für KMU – mit dem NIST CSF 2.0 zu Ihrer Sicherheitsstrategie
 
Alle iX-Workshops im Überblick
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Weitere Themen in der iX 10/2026
 
Außerdem befassen wir in der neuen iX damit, wie man sein SBOM mit einer Software Bill of Behavior (SBOB) ergänzt, eine automatisierte Build-Pipeline für die Meldepflicht nach Cyber Resilience Act baut und richtig große LLMs auf Mac-Clustern betreibt. Alle Themen finden Sie im Inhaltsverzeichnis der iX 10/2026.
 
Haben Sie Anregungen zum Newsletter oder zum Heft allgemein? Schreiben Sie mir unter axk@ix.de! Ich wünsche Ihnen einen Oktober, in dem jede Sandbox dicht hält, Ihr
Axel Kannenberg
Neugierig geworden? Sie erhalten die iX 10/2026 ab dem 18. September im heise Shop und ab dem 19. September am Kiosk:
 
als gedrucktes Heft oder als PDF zum Download im heise Shop
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