Das Briefing von c't zur Digitalisierung
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Christian Wölbert Leitender Redakteur, c’t cwo@ct.de | | | |
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in der vergangenen Ausgabe von D.digital haben wir einen Blick in den Maschinenraum der Verwaltungsdigitalisierung geworfen und geschildert, wie Onlinedienste in die Kommunen kommen. Der ausführliche Artikel zu diesem Thema ist inzwischen auf heise+ erschienen. Im Artikel (und im Forum) geht es unter anderem um den Aufwand, den Kommunen für die Beantragung von Sicherheitszertifikaten treiben müssen – ganz klassisch per Post. Über das Thema Briefpost wundere ich mich auch privat immer wieder. Ich habe mich zwar schon daran gewöhnt, dass die Antwort von Behörden oder Krankenkassen häufig selbst dann per Post kommt, wenn man auf digitalem Wege angefragt hat. In vielen Fällen geht es nicht anders. Aber aus meiner Sicht fehlt es manchmal auch an Mut. Warum zum Beispiel schickt die Rentenversicherung jährlich 30 Millionen Briefe mit der Renteninformation? Darum geht es in meinem heutigen Kommentar, den Sie unten lesen. Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihr Christian Wölbert | | | |
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Zurzeit steigen in Deutschland (mal wieder) die Hoffnungen, dass mit neuer Technik der Staat endlich digital wird. Die EUDI-Wallet soll den Online-Ausweis aufs Smartphone bringen, die Bürger-App das Einreichen von Anträgen vereinfachen. KI-Plattformen und der Deutschland-Stack sollen die Behörden entlasten. In solche Projekte steckt der Staat Hunderte von Millionen Euro. Bund und Länder ringen in endlosen Runden um Konzepte, Finanzierung und Nutzung, wie in diesen Tagen wieder im IT-Planungsrat. Doch Digitalisierung ist nicht nur eine Technik-, sondern auch eine Kulturfrage: Wollen wir wirklich einen digitalen Staat? Oder einen analogen Staat, der nebenbei auch ein bisschen digital ist? Diese Diskussion wird in Deutschland zwar durchaus geführt. Bund und Länder haben sich für "Digital Only" ausgesprochen. Doch im Vergleich zum Brimborium, das um Technikfragen gemacht wird, ist das eher ein Hintergrundrauschen. Gleichzeitig bleibt die Diskussion um Digital Only vergleichsweise abstrakt.
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"Sind die jährlichen Briefe zum Rentenstand wirklich noch zeitgemäß?" | | | |
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Würde man konkret und ernsthaft über "Digital Only" diskutieren, könnte man zum Beispiel über die "Renteninformation" sprechen. Diese Standmitteilung verschickt die Rentenversicherung jährlich an rund 30 Millionen Versicherte – per Post. Die Druck- und Versandkosten dafür lagen 2025 bei ca. 18 Millionen Euro, wie die Deutsche Rentenversicherung Bund auf Anfrage von c't mitteilte. Die Informationen kann man mit dem E-Perso zwar auch digital abrufen, man kann im Kundenportal sogar angeben, dass man künftig auf die Briefe verzichtet. Doch das tut kaum jemand, schließlich gibt es die Infos per Post ganz automatisch. Sind die jährlichen Briefe zum Rentenstand wirklich noch zeitgemäß? Der E-Perso ist zwar nicht die einfachste digitale Identität, doch zumindest von jüngeren Menschen könnte man durchaus erwarten, dass sie ihre Rentendaten online abrufen. Zum Vergleich ein Blick in zwei Nachbarländer: In Österreich gibt es den Blick ins "Pensionskonto" seit vielen Jahren nur noch digital. Diese Entscheidung trug stark dazu bei, die österreichische digitale Identität zu etablieren, die damals noch "Handy-Signatur" hieß. Dänemark stellte zwischen 2012 und 2015 sogar zahlreiche Antragsverfahren in mehreren Wellen auf "Digital Only" um. Der radikal digitalisierte nördliche Nachbar muss nicht das Vorbild für Deutschland sein. Aber auch das Beispiel Österreich zeigt: Die beste Technik nützt nichts, wenn niemand einen Grund hat, sie zu nutzen. Deutschland hat mit dem elektronischen Personalausweis längst eine sichere digitale Identität, man hat sich aber nie getraut, sie wirklich zu etablieren. Für die EUDI-Wallet ist das eine wichtige Lehre. | | | |
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Die wichtigsten News und Hintergründe der vergangenen 14 Tage | | | |
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| Gastbeitrag von Hans-Christian Mangelsdorf (Auswärtiges Amt) | | | |
Ökosysteme als „Zaubertrank“ für die öffentliche Verwaltung: Effizient und ressortübergreifend staatliche Handlungsfähigkeit stärken | | | |
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| Gastbeitrag | Über den Autor | | | |
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| Hans-Christian Mangelsdorf ist seit 2022 Chief Data Scientist und Programmleiter PLAIN des Auswärtigen Amtes. | | | |
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| In den Asterix-Comics ist der Zaubertrank die Zutat, die es braucht, um sich auch großen Herausforderungen erfolgreich zu stellen. Das genaue Rezept ist geheim, das daraus entstehende Mindset und die Möglichkeiten aber schier grenzenlos. Nun ist die öffentliche Verwaltung gewiss kein Ort, an dem man gegenseitig mit Fischen aufeinander einprügelt, aber das Zusammenarbeiten und -wirken über Behördengrenzen ist sicher ausbaufähig. Silos und Silodenken, Strukturen und Arbeitsweisen, in denen einzelne Organisationen und Akteure weitgehend isoliert voneinander agieren, bleiben trotzt aller Beteuerungen eine zentrale Herausforderung. Die Lösung, und hier bricht die Analogie mit den Asterix-Comics, liegt nicht in der Verteidigung dieser sprichwörtlichen gallischen Dörfer, sondern in ihrer Überwindung, sinnvollen Verbindung und Einbindung in ein größeres Gesamtbild. Der Zaubertrank zur Entfesselung und Nutzung der großen Potenziale sollte nicht zur Abwehr genutzt werden, sondern um aufeinander zuzugehen und miteinander zu agieren. Im besten Sinne kann dann aus einzelnen Bausteinen mehr entstehen als die Summe der Einzelteile. | | | |
Mit verschiedenen Aktivitäten wie der Etablierung eines Deutschland-Stacks schafft die Bundesregierung einen Rahmen, der auch auf Länder und Kommunen ausgeweitet werden soll. Daneben sind aber auch alle Akteure und Projekte selbst gefragt, einen Schluck vom Zaubertrank zu nehmen und eigene Aktivitäten zum Auf- und Ausbau von Ökosystemen, Communities und zur Schaffung von übergreifenden Produkten zu nutzen. Dies widerspricht, ob in politischen Zusammenhängen oder unternehmerischem Denken, erstmal der traditionellen Denkweise von Machtstrukturen im Geflecht von Angebot und Nachfrage, öffnet aber die Türen für eine ganz neue Leistungs- und Innovationsfähigkeit durch Synergien, Netzwerk- und Pattformeffekte. Ein Beispiel aus dem öffentlichen Sektor ist die DevOps und Daten Plattform PLAIN des Auswärtigen Amtes: Von Anfang an wurde PLAIN als übergreifendes, auf Kooperation und Nachnutzung ausgelegtes System gestaltet. Zu den initialen Maßnahmen gehörte deshalb auch die Aktivierung und Vernetzung interner (Behörden) und externer (Unternehmen, Wissenschaft, weitere Stakeholder) Ökosysteme. Mit Blick auf das Wettbewerbsrecht geht es dabei nicht um eine Bevorzugung, sondern um einen generellen Kulturwandel hin zu mehr Offenheit und Transparenz. Dafür braucht es eine klare Orchestrierung aus der Mitte der Verwaltung selbst heraus; klare Kommunikation zu Bedarfen und Anforderungen und den Reflex, die Lösung von Problemen und nicht Probleme selbst in das Zentrum des eigenen Handelns zu stellen. Unter dem Dach des PLAIN-Programms wurde dafür ein Plain-Hub etabliert, das die Aufgabe hat, Informationen zu (ver-)teilen, Austauschformate zu organisieren und Angebote zu schaffen, um das Ökosystem so in Bewegung zu halten. | | | |
Im nächsten Schritt wird der Ökosystem-Gedanke auch auf technischer Ebene weitergedacht. Das strategische Ziel hier ist das Erreichen einer Multi-Interoperabilität, wobei sich das ‚Multi‘ darauf bezieht, dass die Plattform nicht ‚nur‘ mit weiteren Systemen interoperabel ist, sondern dass eine tiefgreifende Vernetzung und Integration der Systeme der Verwaltung erfolgt. Ein Beispiel ist das Zusammenwirken mit Lösungen wie SPARK vom BMDS, um die Fähigkeiten und Produkte gegenseitig nutzbar zu machen und Doppelaufwände zu vermeiden. Ziel ist es, diese Potenziale für die Verwaltung zu heben und damit für Anwenderinnen und Anwender sowie Bürgerinnen und Bürger erlebbar zu machen. Durch lebendige Ökosysteme und die Vernetzung von Menschen entsteht zudem eine besondere Identifikation mit Lösung und Output, was mit Blick auf den manchmal noch altbackenen Ruf der Verwaltung und ihrer Mitarbeitenden auch für eine moderne Arbeits- und Innovationskultur wichtig ist. | | | |
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