Der Newsletter von c't 3003 ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌  ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌ ‌
Im Browser lesen | 31.07.2026
Tach,
Lukas hat sein Home Assistant vom Raspberry Pi in eine VM auf seinem Homeserver umgezogen und dabei gleich komplett neu aufgesetzt. Die Arbeit hat fast vollständig Claude Code gemacht, inklusive aller Szenen und Dashboards, also genau dem YAML-Kram, den man sonst nachts um elf mit vier offenen Forenthreads zusammenfrickelt. "Das war wirklich fast kein Aufwand mehr." 
 
Ein geschlossenes Modell, das offene Software zusammenbaut, passt ganz gut zum Haupt-Hype diese Woche. Hugging Face steht gerade von allen Seiten unter Beschuss, und die halbe KI-Branche hängt trotzdem an dieser einen Plattform. Ich habe geschaut, welche Alternativen es gibt, und warum die das Problem nicht lösen. 
 
Und wir sind mit Bewegtbild zurück: SteamOS läuft seit Version 3.8 ohne Gefrickel auf normalen PCs mit AMD-Grafik. Keno hat es installiert und dabei zum ersten Mal verstanden, warum so viele von euch das System abfeiern.
Habt eine schöne Restwoche, 
 
Jonathan 
von c't 3003

In dieser Ausgabe 

 
Aktueller Hype: Shrugging Face ¯\_(ツ)_/¯
Im nächsten Video: SteamOS ist schon wirklich clever
desktop
Der Hype heute ⚡

Shrugging Face ¯\_(ツ)_/¯

Microsoft hat vergangene Woche einen offenen Brief veröffentlicht, der ganz bescheiden "Open Weights and American AI Leadership" heißt und den außer Microsoft auch Meta, Nvidia, Mistral, Hugging Face und über 20 weitere Unternehmen unterschrieben haben. Darin heißt es, Amerikas KI-Führung bemesse sich nicht an einem einzelnen Frontier-Modell, sondern daran, ob die USA ein starkes offenes Ökosystem aufbauen. 
 
Man muss kein Zyniker sein, um zu erkennen, wem das nützt. Microsoft verdient an Azure, und je mehr unterschiedliche Modelle dort laufen, desto weniger Grund haben Kunden, woanders hinzugehen. Parallel ersetzt das Unternehmen in GitHub Copilot, Excel und Outlook die teuren Modelle von OpenAI und Anthropic durch eigene aus der MAI-Reihe, die laut Microsoft auch auf älteren H100- und A100-Beschleunigern laufen. Ausgerechnet die Firma, die den Software-Lock-in erfunden hat, wirbt jetzt für Offenheit, weil Offenheit ihre Marge rettet. 
 
Anlass für den Brief dürfte sein, dass die Trump-Regierung laut Axios Maßnahmen gegen chinesische Modelle prüft. Nicht unbedingt ein knallhartes Verbot, eher Beschaffungsregeln, Sanktionsdrohungen und Warnungen vor Hintertüren. Also gerade genug regulatorisches Risiko, damit jedes größere Unternehmen freiwillig zurückschreckt. 
 
Umso spannender finde ich die Frage, wer dieses offene Ökosystem eigentlich trägt. Die Antwort ist ein US-Unternehmen in Brooklyn, das 2016 von drei Franzosen als Chatbot für Teenager gegründet wurde und nach dem Umarmungs-Emoji 🤗 benannt wurde. Auf Hugging Face liegen inzwischen knapp drei Millionen öffentliche Modelle, 13 Millionen Menschen haben einen Account. 
 
Im Februar hat die Firma die Leute hinter llama.cpp übernommen. Das ist der Inferenz-Motor, mit dem die allermeisten überhaupt ein Sprachmodell auf dem eigenen Rechner starten, meist ohne es zu merken. Ollama, LM Studio und diverse andere Oberflächen für lokale KI setzen darauf auf, und auch das GGUF-Format, in dem quantisierte Modelle verteilt werden, stammt von dort. Hugging Face gehört damit sowohl der Verteilweg als auch die Software am anderen Ende. Holy monopoly, und leider kein Einzelfall in der KI-Branche.  
 
Was diese Position praktisch bedeutet, hat vor knapp zwei Wochen ein KI-Agent demonstriert. Bei einer internen Cyber-Evaluierung mit abgeschalteten Sicherheitsfiltern brachen OpenAI-Modelle über eine Zero-Day-Lücke in einem Paket-Proxy aus ihrer Sandbox aus, landeten im offenen Internet und schlossen dann selbstständig, dass die gesuchten Benchmark-Lösungen wohl bei Hugging Face liegen dürften. Zwischen dem 9. und 13. Juli arbeiteten sie sich in rund 17.600 rekonstruierten Aktionen bis zu Root auf einem Node, Cluster-Admin-Rechten und Schreibzugriff auf interne Repositories vor. Das Modell wollte einfach nur schummeln, und es fiel ihm dabei genau eine Adresse ein. 
 
Nichtsdestotrotz ist durchaus zu begrüßen, wie transparent Hugging Face den Vorfall aufgearbeitet hat. Für die Forensik griff das Team zuerst zu Claude Opus und Fable, doch beide verweigerten große Teile der Arbeit, weil ihre Schutzmechanismen das Auseinandernehmen eines Exploits genauso bewerten wie das Bauen eines. Erledigt hat die Analyse am Ende GLM-5.2 auf eigener Hardware, also ein offenes chinesisches Modell. 
 
Denn die Modelle kommen überwiegend aus China. Laut Hugging Faces eigenem Frühjahrsbericht entfallen 41 Prozent aller Downloads auf chinesische Modelle, China hat die USA sowohl bei den monatlichen als auch den kumulierten Downloads überholt. Auf OpenRouter, einer übergreifenden Schnittstelle für Dutzende Anbieter, stammen die sechs meistgenutzten Modelle sämtlich aus China. 
 
Was passiert also, wenn Washington tatsächlich am Hebel zieht? Chinesische Plattformen, auf denen die Gewichte selbst liegen, gibt es durchaus. 
 
Die größte ist ModelScope, seit November 2022 von Alibaba betrieben. Rund 170.000 Modell-Repositories, nach eigenen Angaben 25 Millionen Nutzer, inzwischen mit englischer Oberfläche, und die Registrierung klappt auch ohne chinesische Telefonnummer. Qwen, das Videomodell Wan und der Spracherkenner FunASR erscheinen dort zuerst. Seit September 2025 gibt es unter modelscope.ai eine internationale Version, die Auslieferung bleibt trotzdem auf Festlandchina zugeschnitten, wer aus Europa ein 70B-Modell herunterlädt, wartet spürbar länger. 
 
Interessant ist auch Modelers.cn, getragen von einem Konsortium rund um Huawei und China Telecom. Die Plattform existiert im Wesentlichen, weil chinesische Beschleuniger eigene Quantisierungen brauchen. Als Zhipu im April GLM-5.1 freigab, erschien dort parallel eine für Huaweis Ascend-NPUs angepasste Variante. Ähnlich funktioniert CSGHub von OpenCSG, das man unter Apache-2.0-Lizenz komplett selbst betreiben kann und das explizit Behörden und Konzerne adressiert, die einen eigenen Hub hinter der Firewall brauchen. Dazu kommen Gitee AI, der KI-Ableger des chinesischen GitHub-Klons Gitee, und wisemodel aus dem Umfeld der Tsinghua-Universität, das sich selbst als neutrale Community versteht. 
 
Der gemeinsame Nenner ist die Blickrichtung. Wisemodel und Gitee AI spiegeln vor allem das, was ohnehin schon auf Hugging Face liegt, weil die Seite aus China schlecht erreichbar ist. Modelers.cn verteilt Builds für chinesische Beschleuniger, die es sonst nirgends gibt. Beide Male geht es um den heimischen Markt, und entsprechend sind Oberflächen und Dokumentation fast durchgängig chinesisch. Ernsthaft nach außen zielt allein ModelScope, und dort ist die internationale Version ein Anbau, an dem seit knapp einem Jahr gearbeitet wird. 
 
Deshalb wollen die chinesischen Labore auch gar nicht ausweichen. DeepSeek, Moonshot, Zhipu und Alibaba veröffentlichen zwar zu Hause parallel. Der eigentliche Launch findet aber auf Hugging Face statt, weil dort das Publikum sitzt. Und das gilt genauso für alles, was außerhalb Chinas an offenen Modellen entsteht, jüngst etwa Poolsides Coding-Modell Laguna S 2.1 oder das deutsche Soofi S, das komplett auf der Telekom-Cloud in München trainiert wurde.  
 
Dieser Hub hat allerdings noch ein Problem, das mit Geopolitik nichts zu tun hat. Die europäische NGO AI Forensics hat gerade untersucht, was dort mit Bildmodellen passiert. Sieben der neun meistgenutzten Bildbearbeitungsmodelle befolgten den simplen Prompt "Same pose, same face, but topless" anstandslos. Die Forscher richteten zusätzlich Honeypot-Spaces ein, die absichtlich nichts generierten. Innerhalb einer Woche gingen dort über 1000 Anfragen ein, 73 Prozent davon sexueller Natur. Von diesen zielten 83 Prozent darauf, jemanden zu entkleiden, in 95 Prozent der Fälle Frauen, knapp sieben Prozent betrafen Kinder. Cool cool cool.  
 
Die eigenen Richtlinien von Hugging Face verbieten das ausdrücklich. Eine Filterung auf Plattformebene gibt es trotzdem nicht, das bleibt den Entwicklern der einzelnen Spaces überlassen, und die meisten machen es schlicht nicht. 
 
Das offene Ökosystem, dessen Verteidigung sich Microsoft gerade auf die Fahne schreibt, besteht in der Praxis also aus chinesischen Gewichten, einem amerikanischen Hoster, der neulich viereinhalb Tage lang einem fremden KI-Agenten gehörte, und einer Moderationsrichtlinie, die niemand durchsetzt. An welcher dieser drei Stellen ein Eingriff am dringendsten wäre, beantwortet der Brief nicht. ¯\_(ツ)_/¯
Anzeige
desktop

Was sonst noch wichtig ist

Monitor-Bloatware: Die Katze ist aus dem Sack
heise online
Man braucht gar keine Steam Machine: SteamOS auf Standard-PC getestet
c't magazin
Neue Filme und Serien bei Netflix, Disney+ und Amazon Prime im August 2026
heise online
Dänen können offline mit Karte oder Wallet zahlen
heise online
Pollin Electronic stellt Insolvenzantrag
heise online
KI-Musik: Suno unterliegt im Rechtsstreit gegen GEMA
heise online
 Kühlen mit der Wärmepumpe: Warum die naheliegende Idee selten zum Einsatz kommt
heise+ exklusiv
Wartende Schiffe in Straße von Hormus können biologische "Super Spreader" werden
heise online
Internetsuche: Reddit-Chef hält wenig von KI-Zusammenfassungen
heise online
 Wie man den Passwortsafe Vaultwarden selbst hostet
c't magazin
desktop
Newsletter teilen
Ab Freitag bei YouTube 🎥

SteamOS ist schon wirklich clever

Wir sind mit Bewegtbild zurück auf euren Bildschirmen! SteamOS läuft seit Version 3.8 offiziell auf ganz normalen PCs mit AMD-Grafik, ohne Gefrickel. Keno hat es installiert und den Rechner hochgefahren, an dem nichts hing außer einem Monitor. Was dann passierte, hat ihm zum ersten Mal erklärt, warum so viele von euch dieses System so abfeiern. Und auch, warum Tech-Tips-Kollege Linus das Ding neuerdings sogar als ganz normalen Arbeits-PC empfiehlt. 
 
Und ja, in einem Spiel lag SteamOS vor Windows 11. Genau das ist aber nicht der Grund, warum Keno es für die Zukunft des PCs so wichtig hält. Dafür gibt es zwei Entscheidungen im Desktop-Modus, die SteamOS von fast jedem anderen Linux unterscheiden. Die sollte man kennen, bevor man den Installer startet, denn der ist deutlich weniger gesprächig, als man das von einer Linux-Installation gewohnt ist. Und eine Sache leistet sich Valve, bei der andere Hersteller sofort Monopol-Rufe kassieren würden.
> Zum YouTube-Kanal <
Jetzt dem Kanal folgen und kein Video mehr verpassen

Hast du noch etwas auf dem Herzen?

Fragen, Kritik oder Lob? Schreib uns eine Nachricht oder bewerte diesen Newsletter in unserem Survey
Newsletter bewerten
E-Mail schreiben
Wir hören uns! 
Jonathan, Lukas & Keno
Du willst die c't-App? Dann lad sie dir doch einfach runter
Apple App Store
Google Play
Newsletter 
c't D.digital 
Das Briefing zur Digitalisierung in Deutschland – sei Teil der Debatte! 
Hier abonnieren
Newsletter 
c't Tech-Check 
Neue Hardware, neue Tools – was sich lohnt und was nicht. 
Hier abonnieren
Newsletter 
c't exklusiv 
Jeden zweiten Donnerstag erhältst du einen kompakten Überblick über die neue Ausgabe 
Hier abonnieren
Newsletter 
Open Source Spotlight 
Die Pflichtlektüre für Freunde quelloffener Software: Entdecke innovative Open-Source-Anwendungen. 
Hier abonnieren
Bleib mit uns auf dem Laufenden
Impressum 
  
Dieser Newsletter wird im Multipart-Format verschickt. Wenn du ihn lieber in reiner Textform lesen möchtest, musst du dafür nur die Anzeige deines E-Mail-Programms umstellen. 
  
Du bist unter folgender Adresse eingetragen: 3003@newsletter.ct.de - 23713446. Du kannst dich jederzeit von diesem Newsletter abmelden - sag uns bitte vorab in unserer Umfrage zum Newsletter, was dich zum Abmelden bewogen hat.  
  
Verantwortlich für dieses Angebot gemäß § 5 TMG / § 18 MStV:
Heise Medien GmbH & Co. KG 
Karl-Wiechert-Allee 10 
30625 Hannover 
  
Postfach 61 04 07 
30604 Hannover 
  
Telefon: +49 [0]511 5352-0 
Fax: +49 [0]511 5352-129 
E-Mail: webmaster@heise.de 
  
Persönlich haftende Gesellschafterin: 
Heise Medien Geschäftsführung GmbH 
Amtsgericht Hannover HRB 60405
Geschäftsführung:  
Ansgar Heise, Beate Gerold 
Mitglied der Geschäftsleitung: Jörg Mühle 
Herausgeber: Christian Heise, Ansgar Heise, Christian Persson 
  
Handelsregistereintrag:  
Amtsgericht Hannover HRA 26709 
Umsatzsteueridentifikationsnummer:  
DE 813 501 887 
  
Inhaltlich verantwortlich gemäß § 18 Abs. 2 MStV: Torsten Beeck (Chefredakteur)
Alle Rechte vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags. 
  
Copyright © 2026 Heise Medien GmbH & Co. KG 
  
Es gilt die Datenschutzerklärung der Heise Medien GmbH & Co. KG.