Die Pflichtlektüre für Freunde quelloffener Software
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Moin aus Hannover und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe vom Open Source Spotlight! Eine Software, die sehr, sehr viele Menschen nutzen, sind Büroanwendungen. ⌨️ Ja, nicht cool, aber ein etabliertes Arbeitstier. 🐂 Doch meistens kommt die Office-Suite vom freundlichen Software-Konzern aus Redmond zum Einsatz. Microsoft selbst macht zwar hier und da etwas Open Source, aber die Abhängigkeit vom Platzhirsch aus Übersee 🌍️ bereitet hier auf dem Kontinent einigen Bauchschmerzen, nicht zuletzt wegen Mr. Trumps, sagen wir es mal diplomatisch, sprunghaften Charakters. Eine bisher beliebte Alternative, OnlyOffice, kommt für viele aber auch nicht infrage, weil sie die Open-Source-Software im Einflussbereich von Wladimir Wladimirowitsch Putin wähnen. Positioniert sich bei dieser Gemengelage Europa 🇪🇺 nun im Bereich Bürosoftware in der Gruppe blockfreier Staaten? Zumindest dem Namen nach will ein Fork von OnlyOffice diesen Weg gehen und auf diesen richten wir diese Woche unser Spotlight! 🔦 | | | |
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Heute im Spotlight
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| ● | News: Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Open Source |
| ● | Interview: Andy Scherzinger von Nextcloud | | | | | | |
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News: Mecklenburg-Vorpommern setzt auf Open Source | | | |
Bevor wir uns an den Schreibtisch setzen, will ich aber mit zwei Open-Source-News starten. Apple ist vor dem EU-Gericht mit seiner Klage gegen die Einstufung als Gatekeeper gescheitert1. Die EU-Kommission hatte Apple 2023 nach dem Digital Markets Act (DMA) als Gatekeeper eingestuft, weil es eine große Marktmacht hat, sprich der geschlossene App-Store, aber auch iOS und Safari wurden als solche eingestuft. Gerade bei seiner rigiden Kontrolle darüber, welche Apps auf iPhones und iPads dürfen, verweist der Apple-Konzern (aber auch Apple-Fans) gerne auf das Argument Sicherheit. Hingegen betonen die Kritiker die Marktmacht, unter der Anwender wie Entwickler leiden würden. Die Free Software Foundation Europe (FSFE) beteiligte sich nach eigenen Angaben an dem Verfahren, um sicherzustellen, dass Apple den DMA auf eine „entwicklerfreundliche Weise“ einhält und begrüßte wenig überraschend die Entscheidung der Richter aus Luxemburg. Dies sei ein bedeutender Erfolg für Computernutzer und Softwareentwickler, teilte die FSFE in einer Stellungnahme2 mit. „Dieses Urteil bestätigt, was wir von Anfang an vertreten haben: Interoperabilität ist unter dem DMA keine Option, sondern gesetzlich vorgeschrieben“, betonte Lucas Lasota, Senior Programme Manager Legal der FSFE. „Entwickler haben nun endlich Rechtssicherheit, um wettbewerbsfähige Alternativen zu Apples Ökosystem zu schaffen.“ Die FSFE wolle die Umsetzung der heutigen Entscheidung genau beobachten. Aber noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Apple kann gegen die Entscheidung vor die nächste Instanz, dem EuGH, ziehen. Interessant ist die Entscheidung auch, da Google bei Android es deutlich schwerer machen will, abseits des Play Stores Apps zu installieren3, wogegen Open-Source-Entwickler wie etwa F-Droid Sturm laufen4. Bewegen wir uns langsam Richtung Amtsstube. Der „echte Norden“, wie sich Schleswig-Holstein selbst nennt, hat es vorgemacht und den (weitgehenden) Abschied von Microsoft Office und Exchange eingeleitet und zu guten Teilen auch bereits umgesetzt. Anscheinend hat dieses Vorgehen Strahlkraft, zumindest im Norden. Diese Woche hat das Nachbar-Bundesland Mecklenburg-Vorpommern bekannt gegeben von Microsoft SharePoint auf Nextcloud zu wechseln5 und hat wohl die 5000 bisherigen SharePoint-Nutzenden bereits auf Nextcloud migriert. Geplant ist aber, dass 50.000 Mitarbeitende von Ministerien und Kommunen mittelfristig mit Nextcloud arbeiten. Doch dabei soll es nicht bleiben. Wie Schleswig-Holstein, zu dem das nordöstliche Bundesland eine technologische Allianz pflegt, will Mecklenburg-Vorpommern ebenfalls von Microsoft Office auf eine quelloffene Alternative umzusteigen. Derzeit erkunde man Nextcloud Office auf Basis von Collabora und überlege, ob parallel dazu LibreOffice als Desktop-Variante passt. Der Umstieg der Bürosoftware soll nicht von jetzt auf gleich passieren, aber sei „grundsätzlich Teil der strategischen Ausrichtung des Landes hin zu mehr digitaler Souveränität“, wie eine Schweriner Ministeriumssprecherin gegenüber meinem c’t-Kollegen Christian Wölbert6 erklärte. Dass man sich lieber Zeit lässt und den Umstieg gut plant, hat ja Schleswig-Holstein vorgemacht. (Wenn ihr mehr von Christian zu Digitalisierung lesen wollt, abonniert seinen Newsletter „c't D.digital“7.) | | | |
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Vermutlich ist für Mecklenburg-Vorpommern unser heutiges Spotlight Euro-Office einfach noch zu frisch, weshalb man im Norden mit Collabora liebäugelt. Neben Collabora Online (wovon erst kürzlich Version 26.04 veröffentlicht8 wurde) war auf Nextcloud-Instanzen bis vor einer Weile auch OnlyOffice eine beliebte Lösung. Auf dem Papier ist OnlyOffice ebenfalls Open Source, auch wenn das Entwicklungsmodell scheinbar mehr Kathedrale als Basar ist (die Älteren unter uns erinnern sich vielleicht). Geschätzt wird OnlyOffice für die zugesprochene bessere Kompatibilität mit Microsoft Formaten wie docx (genauer „Office Open XML“; meiner Ansicht nach Redmonds Open-Washing-Meisterstück), was ich selbst aber nicht getestet habe. Doch da die Software ursprünglich aus Russland kommt, beziehungsweise dessen Entwicklerteams größtenteils dort verortet werden, wurde OnlyOffice für viele, insbesondere öffentliche Einrichtungen, eher untragbar9. Zwar könnte man einwenden, dass ein Open-Source-Projekt international ist, aber das wohl nicht so kollaborative Entwicklungsmodell (dazu später mehr) war da keine gute Argumentationshilfe. Da es aber scheinbar eine Nachfrage nach OnlyOffice gibt, haben sich eine Handvoll Firmen zusammengetan und im Frühjahr den Fork Euro-Office vorgestellt. Anfangs waren es IONOS, Nextcloud, XWiki, OpenProject, Proton und bTactic (ein Open-Source- und Cloud-Dienstleister aus Spanien), später kamen Abilian, EuroStack, Office.EU, Open-Xchange, Soverin und Tuta hinzu. Und hier zeigt sich auch die Stärke von Open Source: Wenn aus irgendeinem Grund der ursprüngliche Anbieter keine Option mehr ist, kann man sein eigenes Ding machen, ohne bei Null anfangen zu müssen. Sprich, wenn MS Office Open Source wäre, hätten wir kein Problem. Natürlich war der OnlyOffice CEO Lev Bannov „not amused“ und warf OnlyOffice einen Lizenzverstoß vor. Einerseits stellte die Free Software Foundation als Hüterin der AGPL10 schnell klar, dass sie die OnlyOffice-Interpretation nicht teilt. Andererseits hat wohl das Euro-Office-Team notwendige Quell- und Markenhinweise ergänzt. Anfang Juni konnte dann schon die erste Version von Euro-Office veröffentlicht11 werden. | | | |
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| Euro-Office in einer NextCloud-Testinstanz (Screenshot: ktn / heise medien) | | | |
Spotlight-Steckbrief
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| ● | Entwickler:innen: Nextcloud, IONOS und weitere Firmen |
| ● | Plattform: Linux, Docker | |
Niklas hat schon Euro-Office auf einer eigenen Kiste ausprobiert. Das ging denkbar einfach: Nextcloud AIO via Docker installieren und dann einfach zwischen Collabora Online und Euro-Office wählen. Ihr könnt aber lokal auch Euro-Office direkt in Docker ausprobieren. Eine Anleitung findet ihr im GitHub-Repo von Euro-Office DocumentServer12. Ich schaue ja mehr auf das User-Interface und da fällt, wenig überraschend, kaum ein Unterschied auf. Es fehlt lediglich das (penetrante) OnlyOffice-Logo in der oberen, linken Ecke sowie der Reiter „AI“ welcher KI-Funktionen enthält. | | | |
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| Oben das Interface von OnlyOffice, unten das von Euro-Office, beide in NextCloud integriert. (Screenshot: ktn / heise medien) | | | |
| Wer also bisher lieber OnlyOffice nutzen wollte, aber nicht mehr konnte, kann mit Euro-Office direkt wie gewohnt loslegen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob die Entwicklung durch die genannten Firmen an Fahrt gewinnt und so neue Beteiligte anzieht. Spannend ist auch, wann es in den kommerziellen Produkten verfügbar ist, denn das ist für Institutionen, Verwaltungen und Firmen entscheidend. Wer will, kann aber schon mit Euro-Office in Nextcloud AIO loslegen13. | | | |
Interview: Andy Scherzinger von Nextcloud | | | |
Um bei Euro-Office etwas hinter die Kulissen zu schauen, haben wir mit Andy Scherzinger von Nextcloud gesprochen. Er hat Wirtschaftsinformatik studiert und über zwanzig Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung und im IT-Support. Einst als einfacher Contributor bei Nextcloud gestartet, leitet er jetzt dort als Vice President Engineering die Entwicklung und den Kundensupport. Andy verrät im Interview unter anderem, wo aktuell die Unterschiede zwischen OnlyOffice und Euro-Office liegen. c’t: Kannst du etwas zu dir erzählen und wie du dazu kamst, Software zu entwickeln? Andy: Wie vermutlich viele andere auch, mit dem C64. Im Alter von sieben Jahren überließ mir mein Vater seinen Commodore, und ich tippte den Programmcode aus Computerzeitschriften ab. So zauberte ich einen sehr primitiven Weihnachtsbaum auf den grün-monochromen Monitor. Danach zog sich das durch mein weiteres Leben, Informatik-Unterricht und AG in der Schule, im Studium und im Job. Für meinen ersten Job in der IT-Beratung und Entwicklung von individueller Software wurde ich gefragt, was mich an der IT reizt. Meine Antwort damals ist immer noch aktuell: Die Möglichkeit, einer Maschine eine neue Fähigkeit beizubringen und zu sehen, wie sie nun etwas tut, was sie vorher nicht konnte oder kannte. Den Einstieg in die Open-Source-Welt als Contributor ergab sich dann 2015 als ich eine Lösung suchte, um mit Freunden Bilder zu teilen – etwa für jemanden, der wegzog – und ohne die Daten auf einer zentralen Plattform zu speichern. So fand ich dann Nextcloud und startete mit visuellen Verbesserungen der Android-App. Das entwickelte sich weiter über die Programmierung neuer Funktionen, breitete sich aus auf weitere Mobile Apps und inzwischen trage ich auch zu nicht-Mobile Apps bei. Immer getrieben von „Scratching an itch“, also dem Lösen von Fehlern, die mich behindern oder Funktionalitäten, die mir helfen würden. | | | |
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c’t: Was war eure Motivation Euro-Office zu starten? Andy: Verwaltungen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen überprüfen derzeit ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Produktivitätsplattformen. Zwar ist Bürosoftware nach wie vor eine geschäftskritische Infrastruktur, doch gibt es derzeit keine Lösung, die vollständige Kompatibilität mit Microsoft-Formaten, eine vertraute Benutzererfahrung und echte digitale Souveränität unter europäischer Leitung vereint. Das wollen wir ändern. Und bevor der Einwand kommt: Für eine wirklich souveräne Lösung ist natürlich wichtig, offene Standards wie ODF-Formate uneingeschränkt zu unterstützen. Daran arbeiten wir. c’t: Warum musstet ihr OnlyOffice forken und konntet da nicht im Open-Source-Sinne zusammenarbeiten? Andy: Für eine Zusammenarbeit auf der einen Seite oder umgekehrt für einen Fork auf der anderen Seite, gibt es für mich immer einen von zwei Beweggründen: Entweder ist eine Zusammenarbeit nicht oder nicht mehr gewünscht oder in Teilen daran auch geknüpft eine unterschiedliche Sicht über die Richtung oder das Vorgehen eines Projekts gegeben. Im Open-Source-Bereich möglich, aber immer das letzte Mittel der Wahl ist dann der Fork. In diesem Fall war leider eine offene Zusammenarbeit mit OnlyOffice aus mehreren Gründen nicht möglich. Zum einen sind Contributions unmöglich oder werden stark erschwert. OnlyOffice prüft oder akzeptiert Pull-Anfragen in der Regel nicht. Die Build-Anleitungen sind unzuverlässig, veraltet oder funktionieren schlichtweg nicht. Die Publizierung fand über sogenannte Source Drops statt, sprich die Entwicklung und dessen Prozess waren nicht öffentlich und transparent, lediglich das Ergebnis im Sinne eines dann neuen Standes der Entwicklung und der Software. Das Unternehmen trifft regelmäßig umstrittene Entscheidungen, wie beispielsweise die Abschaltung von Funktionen in den mobilen Apps – etwa die Bearbeitung auf Mobilgeräten – sowie die Entfernung eines Administrator-Panels. Es mangelt an Transparenz: Sofern sie sichtbar sind, verweisen Commit-Meldungen oft nur auf eine Issue-Nummer in einem internen Issue-Tracker. Es gibt eine ganze Reihe von Binär-Blobs und kompilierten oder verschleierten Code-Blobs. Die meisten internen Code-Kommentare sind auf Russisch, was die Arbeit erschwert. Die mobilen Apps sind nicht wirklich Open Source, sondern lediglich Wrapper. Beispiel: Die Apps enthalten umfangreiche proprietäre Abschnitte, die neu implementiert werden müssen. Die Arbeit daran ist bereits im Gange. Trotz vieler Versuche, das zu verschleiern, ist OnlyOffice ein russisches Unternehmen und fast alle Entwickler sind in Russland ansässig. Open Source ist eine globale Initiative. Die aktuelle politische Lage erschwert die Zusammenarbeit und macht es schwer, Vertrauen zu gewinnen. Dies gilt insbesondere, wenn die Entwicklung nicht transparent und offen ist. Viele Nutzer und Kunden benötigen Software, die nicht potenziell von der russischen Regierung beeinflusst oder kontrolliert wird. c’t: Wo seht ihr die Vorteile von der OnlyOffice-Codebase gegenüber Collabora Online oder LibreOffice? Andy: Als Office-Lösungen sind beides gute Lösungen, legen aber unterschiedliche Schwerpunkte beziehungsweise trafen unterschiedliche konzeptionelle Entscheidungen. Collabora arbeitet mit server-seitigem Rendering der Inhalte, die an den Client, sprich Browser geschickt werden, während Euro-Office die Dokumente im Browser selbst rendert, wo auch die eigentliche Arbeit und Interaktion mit dem Dokument stattfindet, was Vorteile in der Performance mit sich bringt. Euro-Office hat bislang, resultierend aus dem Fork noch einen stärkeren Fokus und bessere Kompatibilität zu Microsoft-Formaten und Collabora/LibreOffice auf dem ODF-Format, dessen Support wir seitens Euro-Office weiter verbessern können, dank des Forks und der damit einhergehenden Entscheidungsfreiheit dies zu tun. Wir wollen die Leute da abholen, wo sie heute stehen, was in vielen Fällen Microsoft-Formate sind, und mit der Verbesserung des ODF-Supports die Brücke schlagen, um den Weg zu ODF gehen zu können. Das bedeutet aber, die Unterstützung für die Formate wie auch ein gewohntes Nutzungserlebnis der Anwendung selbst. Ein dritter und letzter Punkt ist alles aus einer Hand beziehungsweise einem Guss, da sowohl die Web-Anwendung als auch die Desktop- und Mobile-Anwendungen vom gleichen Projekt entwickelt und gepflegt werden. Was weniger ein technischer als mehr ein organisatorischer Punkt ist. Generell ist Euro-Office wie Nextcloud Freiheit ein wichtiger Wert und damit auch die Wahlfreiheit aus Optionen für benötigte Funktionen. Bei Neuinstallationen mit der neuesten Version des Nextcloud All-in-One-Docker-Images zum Beispiel wird die Auswahl angeboten zwischen Euro-Office und Collabora Online. Sollte man beide parallel betreiben können und wollen, kann man auch jederzeit administrativ zwischen den beiden Lösungen wechseln. So besteht keine Bindung an ein Produkt und nebst beiden für sich souveränen Lösungen nochmals mehr Souveränität im Gesamten erreicht.
c’t: Was waren die technischen Hürden beim Durchführen des Forks und bei der Vorbereitung des ersten Releases? Andy: Die technische Hürde für die Vorbereitung und das Durchführen des ersten Releases war, eine größere, wenig dokumentierte Code-Basis bau- und paketierbar zu bekommen. Hintergrund ist der Mangel an einem frei verfügbaren und dokumentierten Bauprozess gewesen. Die vorhandenen und geforkten Repositories, die vorhandene Dokumentation mussten hierfür analysiert werden, fehlende Blöcke in Dokumentation wie Software identifiziert und neue Bauprozesse entwickelt werden. Vor dem ersten Release haben wir zusätzlich noch Sicherheitsupdates durch Aktualisierung von genutzten Bibliotheken vorgenommen sowie die notwendigen Namensanpassungen, da es sich um einen Fork handelt. Im Rahmen der oben genannten Analyse wurde auch auf bedenkliche oder kritisch zu wertende Funktionalität wie ein „phone home“ Mechanismus geprüft, um zu gewährleisten, dass keine schädliche oder privatsphäre-verletzende Logik enthalten ist. Wer russischen Code in Euro-Office vermutet, kann sich ja selbst überzeugen – das ist der Vorteil von Open Source. Wir arbeiten öffentlich, somit sind alle großen wie kleinen, einzelnen Änderungen direkt in den Repositories nachvollziehbar und auch die Organisation der Arbeit öffentlich, in öffentlich zugänglichen Tickets dokumentiert. Damit komme ich noch zu einer zweiten Hürde. Oder vielmehr eine organisatorische Aufgabe: Euro-Office ist ein Gemeinschaftsprojekt von Unternehmen und Organisationen wie IONOS, Nextcloud, Eurostack, XWiki, OpenProject, Soverin, Abilian, BTactic, OpenXchange und Office.eu. Wir arbeiten über Unternehmensgrenzen hinweg zusammen als Projekt und Community, der neben den genannten Firmen und Organisationen aber auch private Einzelpersonen/Contributoren angehören, die an dem Projekt mitarbeiten. Die Steuerung ist hierbei Open-Source-Projekt typisch: Diskussionen und Vorschläge zu größeren Änderungen finden in der Öffentlichkeit über Tickets statt, sodass die verschiedenen Stimmen gehört und eine Entscheidung gefällt werden kann. In der Umsetzung gilt: Wer die Arbeit macht, entscheidet auch, wie sie im Detail gemacht wird, gefolgt von einem Review-Prozess, bevor eine Änderung in die Codebasis überführt wird. | | | |
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| Andy Scherzinger auf der Bühne mit Nextcloud Co-Founder Jos Poortvliet beim Nextcloud Summit 2026 in München (Bild: Nextcloud). | | | |
c’t: Was sind die direkten Unterschiede von Euro-Office und OnlyOffice? Musstet ihr auf Funktionen verzichten, weil sie nicht im Quellcode vorliegen? Andy: Nebst dem genannten, transparenten und kollaborativen Zusammenarbeitsmodell als Projekt mussten wir zu Beginn des Projekts Funktionalität nachbauen, weil sie nicht oder nicht mehr in der Code-Basis frei vorhanden war. Dies betraf das Mobile Editing, was seit Langem nicht verfügbar war, sowie das Admin Panel, welches erst jüngst entfernt wurde durch OnlyOffice. Ebenso wie die Skalierungsmöglichkeiten, die ebenfalls vor Kurzem entfernt wurden, aber in Euro-Office weiterhin gegeben sind und auch bleiben. Alles Fehlende oder Entfernte ist in Euro-Office weiterhin oder wieder vorhanden. Eine einzige Ausnahme bleibt, auf die bislang verzichtet werden muss, die aber weiterhin auf unserer Roadmap steht: vollständige Mobile Anwendungen mit eigenem Editor, der lokal in der App funktioniert und nicht auf ein Mobile Editing als Workaround zurückgreifen muss. c’t: Was sind eure Pläne für Euro-Office? Welche Features plant ihr als Nächstes? Andy: In der nächsten Phase liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung und Bereitstellung der Desktop- und Mobilanwendungen sowie von Integrationsfunktionen. Um eine wirklich souveräne Lösung zu gewährleisten, hat die vollständige Unterstützung offener Standards, insbesondere der ODF-Formate, bei der kommenden Version hohe Priorität. Wir freuen uns auch über weitere Beitragende. Daher haben wir vor unter anderem die Hürden für neue Mitwirkende am Open-Source-Projekt zu senken. Zu diesem Zweck wurden automatisierte Test-Pipelines eingerichtet, Code-Kommentare ins Englische übersetzt, die Dokumentation erweitert und der Code weiter verfeinert. Angesichts des enormen Interesses des Marktes an Euro-Office plant Nextcloud, das daran arbeitende Team zu verdoppeln. Gleiches gilt für IONOS, das bereits hier Einzelheiten dazu veröffentlicht hat. c’t: Wofür begeistert du dich abseits von Softwareentwicklung? Andy: Als Kontrastprogramm, mal fürs Wochenende, aber auch als ausgiebigere Urlaube, sind meine engere und weitere Familie große Fans von Freizeitparks und Achterbahnen. Hier können wir in völlig andere Welten eintauchen und in so völlig anderer Weise die Customer Experience als Freizeitpark-Kunde erleben. Daneben ein eher gewöhnlicheres Hobby als Cineast. Ich schaue und sammle Filme und vereinzelt Serien, früher gerne mit Bekannten in die Sneak-Preview im Kino, heute häufiger zu Hause mit der Familie, beim Genre querbeet. Für etwas eher schon fast stereotypisches begeistere ich mich für Kaffee beziehungsweise speziell für Espresso mit custom, after-market Portalfilter und Sieb plus ständig wechselnden Bohnen für kontinuierliches und spielerisches Nachjustieren der Einstellungen, um immer wieder aufs neue bei einem „guten Shot“ anzukommen – und den Prozess dahin zu genießen. | | | |
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Okay, das war jetzt ein ganz schön langes Spotlight. 🫣 Ich hoffe, ihr seid am Ball geblieben. Habt ihr Erfahrungen mit OnlyOffice, Collabora Online oder gar Euro-Office? Wie sehen die aus und welche (Online-)Office-Suite bevorzugt ihr? Lasst es mich gerne wissen, indem ihr unten auf „E-Mail schreiben“ klickt. Bis zum nächsten Spotlight und Happy Hacking!
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1 https://www.heise.de/news/Apple-bleibt-Gatekeeper-EU-Gericht-hat-entschieden-11357867.html 2 https://fsfe.org/news/2026/news-20260708-01.en.html 3 https://www.heise.de/news/Android-Google-nennt-Zeitplan-fuer-Entwickler-Verifizierung-und-erste-App-Stores-11338038.html 4 https://keepandroidopen.org/de/ 5 https://www.heise.de/news/Mecklenburg-Vorpommern-verabschiedet-sich-von-Microsoft-11352440.html 6 https://www.heise.de/news/Open-Source-Strategie-Mecklenburg-Vorpommern-will-auch-Microsoft-Office-abloesen-11359864.html 7 https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ct-ddigital 8 https://www.heise.de/news/Collabora-Office-26-04-Desktop-Suite-mit-selbst-gewaehlter-KI-11350947.html 9 https://www.tu.berlin/campusmanagement/nachrichtendetails/umstellung-tubcloud-auf-collabora-online 10 https://www.fsf.org/blogs/licensing/agpl-is-not-a-tool-for-taking-freedom-away 11 https://www.heise.de/news/Euro-Office-Erste-Version-des-quelloffenen-Web-Office-ist-da-11320254.html 12 https://github.com/Euro-Office/DocumentServer 13 https://help.nextcloud.com/t/how-to-install-euro-office-in-nextcloud/246445
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